Jasmund und die wundervolle Kreideküste

Wer sich dem Trubel der Bäderorte entziehen möchte, findet im Nordosten Rügens Stille und Abgeschiedenheit. Im Nationalpark Jasmund beispielsweise. Hier befinden sich auch die berühmten Kreidefelsen und der Piekberg, mit 161 Metern die höchste Erhebung der Insel Rügen. Der Nationalpark Jasmund ist der kleinste unter den Nationalparks in Deutschland. Keine andere Region in Deutschland kann auf so engem Raum zwei Nationalparks und ein Biosphärenreservat vorweisen.

Am Königsstuhl, dem berühmtesten aller Kreidefelsen, informiert ein Nationalparkzentrum über die Besonderheiten und die Entstehung der Region. Eine Ausstellung über den Kreideabbau, die Geologie und die Fossilien ist im Kreidemuseum in Gummanz zu sehen. Zum Museum gehören auch ein Kreide- und ein Naturlehrpfad sowie ein Freilichtmuseum. Der Kreidetagebau Promoisel bei Sassnitz ist der einzige aktive Bruch auf der Insel. Die alten Kreidebrüche von Jasmund zeugen von dem mehr als 150 Jahre andauernden Bergbau.

Um 1720 wurde in der Granitz, einem Waldgebiet zwischen Binz und Sellin, die erste Kreide abgebaut. Von ehemals 40 Kreidebrüchen befanden sich allein 28 am südlichen und westlichen Rand Jasmunds. Der Grundstein der Kreideindustrie auf Rügen wurde mit Kreideforschungsarbeiten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch den 1797 in Langenfeld bei Loitz geborenen Friedrich von Hagenow gelegt. 1832 erhielt er das alleinige Nutzungsrecht der Kreidebrüche bei der Stubnitz. Die besonders feine und reine Kreide wird im Kreidewerk Rügen GmbH in Klementelvitz nass aufbereitet und unter anderem in der chemischen Industrie oder als Düngekalk in der Landwirtschaft verwendet.

Größte Stadt auf der Halbinsel Jasmund ist die Hafenstadt Sassnitz - die Stadt der Fischerei und der Fischverarbeitung, des Schiffsverkehrs und der Seetouristik. Direkt im Stadthafen gibt es ein Museum, das genau über diese Themen informiert. In einem Trakt des ehemaligen Fischkombinates Sassnitz wird die Geschichte der Fischerei und des Hafens erlebbar. Zu dem Museum gehört auch der letzte im Original erhaltene 26-Meter-Fischkutter „Havel“ des früheren Sassnitzer Fischkombinates. Im Fährhafen Sassnitz, dem größten Eisenbahnfährhafen Deutschlands, legen Schiffe nach Skandinavien, Russland und Litauen ab.